Arri Amira „In Camera Grading“

Vor einiger Zeit veranstalteten wir einen Workshop in Zusammenarbeit mit dem Kameraverleih Licht&Ton und mit freundlicher Unterstützung von Arri und dem Produktspezialisten Oliver Temmler von Arri. Er erklärte umfassend das In-Camera Grading der neuen Arri Amira.

Ich möchte diese Erklärung hier kurz zusammen fassen und einen Überblick über die Vorteile des In-Camera Gradings und der 3D Luts geben.

 

Log-C vs. REC 709

Eine Log-C Aufzeichnung ist mittlerweile bei größeren Produktionen Standard und macht auch Sinn um später in der Post und beim Color Grading die Farben, Belichtungsumfänge sowie Kontraste anzupassen. Log-C arbeitet mit einer sehr flachen Gammakurve und stellt das Bild sehr geradlinig dar. Log-C ist sozusagen die kleine Schwester der RAW Aufzeichnung.

Die Amira bietet zusätzlich eine 4444 Aufzeichnung mit einer 12Bit Farbtiefe. Die Möglichkeiten sind also fast unbegrenzt.

Am Set hat man als Kameramann natürlich eine Vorstellung davon, was für einen Look man kreieren will, wie der fertige Film später aussehen soll. Eine Log-C Aufzeichnung ist dabei nicht sonderlich hilfreich. Bei der Amira kommen hier ohnehin 3D Luts zum Einsatz.

Diese 3D Luts helfen nicht nur dem Kameramann dabei sich eine Vorstellung von dem fertigen Endprodukt zu machen, sondern sind auch für Kunden, Produzenten und Regisseure hilfreich, um bereits am Set eine Richtung des fertigen Looks/Films zu sehen.

Ein Standard 3D Lut ist der Video Look „REC 709“. Die Amira verfügt bereits über ein paar ausgewählte vorgefertigte Looktables. Das Prinzip ist denkbar einfach. Die Kamera zeichnet weiterhin in Log-C auf, ein 3D Lut wird wie eine transparente Folie über diesen Look gelegt und dient der Kontrolle.

Wenn man direkt auf dem REC709 Look drehen möchte sollte man sich darüber im klaren sein, das Belichtungs- und Farbkorrekturen anschließend sehr sehr schwierig sind. Der Look ist dann „eingebrannt“ und kann nur noch sehr wenig korrigiert werden.

Log-C bietet hingehen den kompletten Dynamikumfang der Kamera. Bei der Amira bedeutet das z.b bei einer Aufzeichnung in Log-C bei 800 Asa das man noch 7 Blenden in den Highlights und 7 Blenden ins Schwarz zur Verfügung hat. Selbst stark überbelichtete Bilder, können somit noch „gerettet“ werden.  Alle Farben können beliebig bearbeitet werden.

 

In Camera Grading

Wer über die Premium Version der Arri Amira verfügt, hat nun die Möglichkeit bereits in der Kamera solche Looks anzufertigen und zu speichern. Hier können Black Gamma,  Gamma, Knee, Sättigung und jede einzelne Farbe angepasst werden. Das In- Camera Grading ist eine eingebaute Color Grading Software wie „Da Vinci“ oder anderen Programmen. Direkt am Set kann man den Look verändern, um dem Regisseur beispielsweise eine Richtung vorzuschlagen. Noch einfacher funktioniert das ganze über das Arri Amira Color Tool (nur für Mac)

Die Looks können auf dem mitgelieferten USB-Stick gespeichert werden und in die Kamera geladen werden. Es empfiehlt sich hierbei ein hochwertiger Monitor.

Die Kamera speichert sämtliche Metadaten ab. Bei den aktuellen Software Versionen von Premiere, Final Cut und Avid, wird dann genau dieser am Set ausgewählte Look auf den jeweiligen Clip gelegt, ganz automatisch.

 

Ein Beispiel zu Verwendung

Bei einem Autowerbespot habe ich meistens Innen- und Außenaufnahmen. Schön ist es natürlich wenn man an einem Testtag mit der Kamera Looks am „Objekt“ festlegen kann.

Ich erstelle mir nun einen Look für die Außenaufnahmen, in denen ich beispielsweise höhere Kontraste möchte oder ein satteres Grün in der Wiese. Diesen Look erstelle ich in der Kamera und speichere ihn unter „Außenaufnahmen“

Für die Innenaufnahmen hingegen, dürfen die Kontraste nicht zu groß sein, die Hauttöne des Schauspielers spielen eine wichtige Rolle und der Himmel sollte blauer sein. Wieder den Look speichern – fertig. Am Set wechsel ich nun einfach zwischen diesen beiden Looks in den jeweiligen Situationen hin und her.

Es ist utopisch für jede Szene und jedes Bild einen Look zu erstellen. Dies ist in der Praxis nicht handhabbar. Aber um Oliver Temmler von Arri zu zitieren: „Einen Look für den Täter und einen Look für das Opfer, macht definitiv Sinn“

 

Postproduktion

Ein wesentlicher Faktor ist hier nun auch die Zeitersparnis für den Coloristen bzw. Cutter.

Der Cutter muss das Material nicht mehr aufwändig wandeln und kann es direkt in das Schnittprogramm laden. Der sonst übliche Weg dass auf das Log-C Material erst ein Rec709 Look gelegt werden muss entfällt. Die Kamera hat ja über die Metadaten die Looks übertragen und diese werden nun automatisch auf das Material gelegt.

Das Color Grading selbst leidet, wie so viele andere Dinge, auch unter enormen Kostendruck. So ist es nur noch selten der Fall das der Kameramann beim Grading anwesend ist und eine Farbbestimmung durchführen kann. Daraus folgt oft, das der Look des fertigen Films nicht immer den Vorstellungen des Kameramann entspricht und damit auch ein Stück weit Kreativität verloren geht. Oft ärgert man sich hier als Kameramann.

Da wir nun aber bereits sehr früh einen Look „vorgegeben“ haben hat sich der Regisseur und Cutter aber vielleicht auch schon ein Stück weit an unseren Look gewöhnt sodass die Tendenz besteht, im Grading eher in die Richtung des Kameramannes zu graden und die festgelegten Looks als Referenz zu nutzen. Böse Überraschungen bleiben also hoffentlich aus.

Dies ist eine vereinfachte Erläuterung des In-Camera Gradings für die Arri Amira.

Ich empfehle folgende Video und Links.

 

Das Amira Color Tool findet ihr hier

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